Festlich geschmückter Weihnachtsbaum im Logenhaus bei der Weihnachtsfeier 2025 der Johannislogen "Zum schwarzen Adler" und "Zur Eintracht"
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Weihnachten – Ein Fest des Lichtes

18. Dezember 2025
10 Min. Lesezeit
von Loge Zum schwarzen Adler
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Am 6. Dezember begingen wir unsere traditionelle Weihnachtsfeier gemeinsam mit den Brüdern der Loge „Zur Eintracht". Die folgende Rede eines Bruders lud uns ein, über die Ursprünge und die zeitlose Bedeutung des Festes des Lichtes nachzudenken.


Es ist wieder einmal Dezember. Morgen ist bereits der zweite Advent, und wir nähern uns dem sogenannten Weihnachtsfest.

Die ersten Weihnachtsbäume tauchen auf, Weihnachtsmärkte öffnen ihre Tore, die Menschen stellen Weihnachtskränze in ihre Fenster, und die Supermärkte beglücken oder besser gesagt überhäufen uns schon vorsorglich seit zwei Monaten mit jedwedem Weihnachtsgebäck.

Ganz gleich, ob wir es als Fest der Geburt feiern oder als reine Familienzeit genießen oder ob es für uns einfach eine willkommene Pause vom Alltag darstellt, es ist offensichtlich ein Fest des Lichtes. Viele Kerzen brennen, ganze Bäume werden beleuchtet, es werden an verschiedensten Orten weitere Lichter entzündet, und hier und da entfacht auch der ein oder andere Familienstreit.

Warum ist das eigentlich so? Fand es schon immer so statt zu Weihnachten, und was war vor der Zeit, bevor es in diesem christlichen Kontext seinen Namen fand?

Schauen wir, wen wir als unsere Vorfahren bezeichnen können und was diese in jenen Tagen im Dezember veranstaltet haben. Es kommen so viele Einflüsse und Strömungen infrage, dass ich nur zwei davon erwähnen möchte.

Die Römer hatten das sogenannte Saturnalienfest. Es war ein Fest zu Ehren des Gottes Saturn. Er war der Herrscher des goldenen und leuchtenden Zeitalters. Es stellte eine Erinnerung an eine ideale Zeit dar, eine Zeit ohne Besitz, ohne Sklaverei und ohne soziale Unterschiede. Ein Fest der Gleichheit und Freiheit, vielleicht auch der Brüderlichkeit?

Wie heute gab es kleine Präsente unter den Menschen, Kerzen und Figuren waren angesagt. Es wurde ausgelassen gefeiert, bis tief in die Nacht, und es gab sogar Rollenwechsel in diesen Tagen. Sklaven und Herren tauschten symbolisch die Rollen, Sklaven durften frei sprechen und wurden sogar bedient.

Eine andere Kultur, mit der wir uns verbunden fühlen können, waren die Kelten. Sie feierten um den 21.12. ihr Yule-Fest. Der Anlass war die sogenannte Wintersonnenwende. Der Tag, an dem die Nächte endlich nicht mehr länger werden. Die längste Nacht des Jahres war erreicht, und ab dem nächsten Morgen wurde jeder Tag wieder ein kleines bisschen länger und heller.

Die Bedeutung für die Kelten? Die Sonne und das Licht kehren zurück! Mit ihr Hoffnung auf das Leben, auf das nächste Frühjahr, auf die nächste Ernte. Um das Leben zu ehren, schmückte man die Umgebung mit immergrünen Pflanzen. Auch hier sammelte man sich in Gemeinschaften, feierte, und es gab Opfergaben. Und natürlich wurden Feuer und Fackeln entzündet, um das wiederkehrende Licht zu huldigen. Das war das Fest vom Sieg des Lichts über die Dunkelheit.

In unserer christlich geprägten Kultur gibt es die Geschichte einer Geburt, das Auftauchen eines Erlösers und Hoffnungsspenders, jemand, der ebenfalls Licht und Liebe und im Grunde eine neue Zeit brachte, der viele Herzen berührte und weswegen wir heute unter anderem ein sogenanntes Weihnachtsfest feiern.

Natürlich habe ich auch in die nähere Vergangenheit geschaut: Wie sah es bei meiner Familie aus?

Bei uns war die Zeit vor dem Fest immer etwas angestrengt. Die Eltern arbeiteten viel und waren mit dem Kümmern der letzten Tätigkeiten am Jahresende in der Firma beschäftigt. Die Geschenke zu besorgen, artete in Stress aus. Die Mutter verteilte Aufgaben, der Rest der Familie war genervt und beschloss, möglichst nur das zu hören, was unbedingt nötig war. Die Familienfeiern wurden geplant mit Vorfreude auf gewisse Verwandte und auch einem Grausen vor gewissen Verwandten.

Selbst am 24. Dezember haben wir noch immer geputzt, gekocht, alles schön gemacht und waren dementsprechend angestrengt, der eine oder andere regelrecht gereizt. Im schlimmsten Fall fand der Hund etwas zu essen, das er nicht haben sollte, und übergab sich anschließend ausgiebig unter dem Weihnachtsbaum. Sie können sich vorstellen, wer das sauber machen musste.

Als sich der Abend näherte, verschwanden alle Familienmitglieder in ihren Zimmern und packten ein bis zwei Stunden Geschenke ein. Sie sehen, wir waren nie sehr rechtzeitig dran, vielleicht daher die stressige Stimmung. Die Besonderheit an dieser Familientradition bemerkte ich erst durch die spätere Reaktion meiner ersten festen Partnerin, als ich mich kurz vor der Bescherung für anderthalb Stunden in mein Zimmer zum Verpacken verabschiedete, während sich meine Partnerin schon freudig und ahnungslos auf das Fest mit mir freute.

Doch schließlich kehrte auch in unserer Familie Ruhe ein, und im Grunde waren der Abend und der Tag geprägt von der Hoffnung und der Vorfreude auf einen besinnlichen, harmonischen Abend miteinander, gutes Essen, schöne Lichter am Baum, leuchtende Augen und Kerzen auf dem Tisch. Alle beschlossen für sich, den Abend in Frieden miteinander zu verbringen, etwas, das sie das ganze Jahr über nur manchmal schafften.
Und immer wieder war dann wirklich urplötzlich Weihnachten in seinem eigentlichen Sinne. Gemeinschaft statt jeder für sich. Harmonie und Frieden trotz vorheriger Anspannung.

An dieser Stelle möchte ich eine Brücke zu uns Freimaurern sichtbar machen: Welche Gemeinsamkeiten gibt es heute, und gibt es selbst schon zu den alten oder ähnlichen Festen?

Gemeinschaft spielt an Weihnachten eine Rolle: Wir sammeln uns in kleinen oder großen Gruppen und genießen die Nähe, feiern miteinander und behandeln uns so gut als möglich. Siehe heute Abend.

Brüderlichkeit spielt in unseren Kreisen eine Rolle. Wir erkennen den Wert eines jeden Menschen und suchen ihn zu ehren, ihm mit Freundlichkeit und Liebe zu begegnen. Es geht um Solidarität und gegenseitige Unterstützung. Wir rücken zusammen, selbst wenn es eng wird am Tisch.

Gleichheit und Nächstenliebe ist eine Gemeinsamkeit. Wir denken Weihnachten aneinander und schenken uns etwas, sogar der manchmal verhassten Schwiegermutter oder dem anstrengenden Onkel, einfach weil es Familie ist und weil es weihnachtet! Wir legen unsere Werkzeuge des Streits zur Seite, denken daran, dass alle Menschen gleich sind, egal welcher Herkunft, Religion oder mit welchem sozialen Status, und üben uns in gegenseitiger Achtung und Respekt.

Frieden und Humanität spielen eine Rolle. Großzügiger sind die Menschen an Weihnachten, etwas wohlwollender und milder gestimmt. Manch einer gibt einem Bedürftigen eine größere Spende oder behandelt den unfreundlichen Nachbarn besser als das ganze Jahr über. Humanität stellt die Würde des Menschen in den Mittelpunkt, dreht sich um soziale Verantwortung, und auch Wohltätigkeit spielt hier eine Rolle.

Und schließlich diese Sache mit dem Licht: Goethe schrieb einst: „Das Licht ist das erste Geschenk der Natur."

An Weihnachten leuchtet es gefühlt von allen Seiten und in unterschiedlichsten Arten. Es steht genauso für Wärme, Sicherheit und ein Zuhause wie auch für Orientierung, Ausbreitung und Erkenntnis.
Sehen Sie diese Parallelen? Weihnachten und diese alten Lichterfeste und die Freimaurerei sprechen an dieser Stelle dieselbe Sprache. Eine Sprache der Werte.

Der Stern von Bethlehem, der einst die Weisen führte, war viel mehr als ein astronomisches Ereignis – er war ein Sinnbild für Orientierung. Auch wir suchen Orientierung, streben nach Erkenntnis, suchen nach zeitlosen Wahrheiten und „dem Guten".

Eine Kerze am Adventskranz erinnert uns daran, dass Licht auch nicht laut ist. Es brennt ganz still, aber es erhellt und verändert alles, genauso wie ein freundliches Wort, eine ausgestreckte Hand oder ein liebevoller Blick alles verändern kann und Herzen berührt.

So ist es auch mit den Geschenken. Für viele natürlich das Beste an Weihnachten, auch wenn es streckenweise zu einer regelrechten Konsumschlacht ausartet.

Es passiert nach wie vor, dass die schönsten Geschenke manchmal die sind, die nicht unter dem Baum liegen. Es sind eben diese, die wir auch nicht einpacken können. Es ist die Zeit, die wir mit Menschen verbringen, für die wir sonst vielleicht viel zu wenig Zeit aufbringen, die Aufmerksamkeit, das Zuhören und das Verständnis, das wir von jemandem empfangen. Menschliche Werte, die unsere Gemeinschaft schön und lebenswert sein lassen, immer wieder aufs Neue.

Nun ja, ehe es zu lang wird, liebe Freunde, möchte ich feststellen, dass Weihnachten mehr war und mehr ist als nur ein Datum. Seit Jahrtausenden scheint es eine Einladung zu sein. Eine Einladung, selbst ein Licht zu sein, sich die Rolle und die Bedeutung des Begriffes Licht im großen Weltgeschehen bewusst zu machen, für unsere Familie, unsere Nachbarn und unsere Mitmenschen ein freundlicher und liebevoller Mensch zu sein, damit sich dieser Zauber ausbreiten kann und uns alle durch das Jahr trägt.

Alle Jahre wieder.

Ich wünsche Ihnen ein Fest voller Wärme, voller Licht und voller Momente, die Sie nicht vergessen werden.

Fröhliche Weihnachten Ihnen allen!

Siegel der Loge Zum schwarzen Adler

Verfasst von

Loge Zum schwarzen Adler

Die Johannisloge "Zum schwarzen Adler" wurde am 10. Mai 1924 in Berlin gegründet und gehört zur Großen National-Mutterloge "Zu den drei Weltkugeln".

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